Archiv für Juni, 2011

»Zivildienstroman« – Christian Bartel

Posted in Bücher on 18. Juni 2011 by PanzerHerz

Minigolfspielen
gilt im Behindertenbuisness als Feuerprobe
für Neulinge. Der Ball darf entweder mit dem
Schläger, dem Fuß, der Hand oder irgendei-
nem anderen eigenen oder fremden Körperteil
gespielt werden, außerdem kann er gestreichelt
sowie in die Tasche gesteckt werden.

Ziel des Spieles ist es, den Ball in möglichst
unwegsames Gelände zu spielen, wo er vom
neuen Zivi gesucht werden muss, während die
festangestellten Betreuer Kaffee trinken. Die
Aufbauten an den Bahnen dagegen spielen
überhaupt keine Rolle, die Löcher erst recht
nicht.

Trotzdem macht es irrsinnigen Spaß, aber
das kann man nicht erklären, man muss es
erlebt haben.

Die Geschichte ist wirklich lustig und auf eine etwas naive Weise beschrieben.
Das macht alles zwar etwas schleppend – ich hatte Probleme das Buch zu lesen – aber übt auch einen besonderen Reiz aus.
Dafür, dass es sich irgendwie schwerfällig lesen lässt ist das Buch nicht allzu dick und hat lediglich 21 Kapitel. Auf diesen passiert alles mögliche und man muss hin und wieder durchaus schmunzeln.
Auf jeden Fall macht es Spaß das Buch zu lesen, es malt einem Bilder in den Kopf und wer gerne über die (ehemalige) Bundeswehr lachen möchte, kann das mit diesem Roman auf jeden Fall.
Christian Bartel sagte selbst, es handele sich mittlerweile sogar schon um einen historischen Roman.

»Wintermädchen« – Laurie Halse Anderson

Posted in Bücher on 5. Juni 2011 by PanzerHerz

Ich rolle mich mit dem Gesicht zur Wand. Glasscherben
rasen auf mein Herz zu, weil Cassie tot wie Stein ist.
Sie starb im Gateway Motel, und ich bin schuld. Nicht
die Modezeitschriften im Umkleideraum oder die hormon-
geschädigten Jungs auf dem Pausenhof. Nicht die Erfinder
von Kleidergröße 0 und 00. Nicht mal ihre Eltern.

Ich bin nicht ans Telefon gegangen.

Ein Buch über Anorexie, Einsamkeit und Selbstverletzung. Lebensmüde, verloren und hilflos.
Dieses Buch beschreibt unfassbar lebhaft, wie sich die Protagonistin mit ihren Problemen fühlt, ohne dass irgendwelche medizinischen Fachausdrücke, Diagramme oder Behandlungen im Mittelpunkt stehen und den Lesefluss negativ beeinträchtigen.
Die Wortwahl ist farbenfroh aber gleichzeitig so grau und mit einer Traurigkeit belastet, dass deutlich wird, wie schwer diese Erkrankung ist. Dass sie nichts ist, die wieder vorüber geht.
Erkrankte brauchen Hilfe aber dabei muss Konsequenz vorherrschen. Und sie müssen gesund werden wollen.
Die Essstörung wird nicht schreiend hervorgehoben, ist aber ein wichtiger Zusatz, der auch nicht heruntergeredet oder bei Seite geschoben wird. Generell habe ich das Gefühl, dass taktvoll und intelligent mit der Thematik umgegangen wird, auch wenn die Autorin selbst keine Essstörung hat (soweit ich weiß).
Wie gesagt hat das Buch eine gewisse Traurigkeit, allerdings keine, die einen sonderlich herunter zieht. Man wird nachdenklich aber man hat nach wie vor Interesse daran, das Ende zu erfahren. Es ist ein gutes Buch, muss ich ehrlich sagen.

»Roter Drache« – Thomas Harris

Posted in Bücher on 3. Juni 2011 by PanzerHerz

Nachfolger von »Hannibal Rising«.

Eine beklemmende Charakterstudie
von unheimlicher Spannung und
erschreckender Abgründigkeit

Ein Killer verbreitet Angst in Florida. Er hat schon
zehn Menschen umgebracht. Und die Mordserie
reißt nicht ab. Der Täter, ein von seinen Obsessionen
gequälter, mißgestalteter Mann, identifiziert sich
immer mehr mit dem Roten Drachen nach William
Blakes Gemälde…

Das Buch ist absolut genial, ich muss ehrlich sagen: ich liebe es.
Die Zerissenheit Dolarhydes, wie seine psychische Krankheit zu Stande kam und wie er damit umgeht wird Detailgetreu und nachvollziehbar dargestellt. Die Konzentration scheint aber auf dem Antagonisten zu lasten, als auf dem Protagonisten Will Graham. Fraglich ist allerdings, wen Harris als Pro- oder Antagonisten gesehen hat.
Zu Beginn wird aus der Sicht Grahams geschrieben, erst im Laufe des Buches konzentriert sich die Handlung mehr und mehr auf Dolarhyde, wobei dieser mehr menschliche Regungen zu besitzen scheint als Graham.
Hannibal Lecter spielt kaum eine Rolle und taucht nur gelegentlich auf.
Das Ende ist etwas anders als im Film, was mich persönlich allerdings nicht weiter gestört hat.

Nachfolger ist »Das Schweigen der Lämmer«.