»Wintermädchen« – Laurie Halse Anderson

Ich rolle mich mit dem Gesicht zur Wand. Glasscherben
rasen auf mein Herz zu, weil Cassie tot wie Stein ist.
Sie starb im Gateway Motel, und ich bin schuld. Nicht
die Modezeitschriften im Umkleideraum oder die hormon-
geschädigten Jungs auf dem Pausenhof. Nicht die Erfinder
von Kleidergröße 0 und 00. Nicht mal ihre Eltern.

Ich bin nicht ans Telefon gegangen.

Ein Buch über Anorexie, Einsamkeit und Selbstverletzung. Lebensmüde, verloren und hilflos.
Dieses Buch beschreibt unfassbar lebhaft, wie sich die Protagonistin mit ihren Problemen fühlt, ohne dass irgendwelche medizinischen Fachausdrücke, Diagramme oder Behandlungen im Mittelpunkt stehen und den Lesefluss negativ beeinträchtigen.
Die Wortwahl ist farbenfroh aber gleichzeitig so grau und mit einer Traurigkeit belastet, dass deutlich wird, wie schwer diese Erkrankung ist. Dass sie nichts ist, die wieder vorüber geht.
Erkrankte brauchen Hilfe aber dabei muss Konsequenz vorherrschen. Und sie müssen gesund werden wollen.
Die Essstörung wird nicht schreiend hervorgehoben, ist aber ein wichtiger Zusatz, der auch nicht heruntergeredet oder bei Seite geschoben wird. Generell habe ich das Gefühl, dass taktvoll und intelligent mit der Thematik umgegangen wird, auch wenn die Autorin selbst keine Essstörung hat (soweit ich weiß).
Wie gesagt hat das Buch eine gewisse Traurigkeit, allerdings keine, die einen sonderlich herunter zieht. Man wird nachdenklich aber man hat nach wie vor Interesse daran, das Ende zu erfahren. Es ist ein gutes Buch, muss ich ehrlich sagen.

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